Grundsatzprogramm

 Demokratische Schule


1. Die Schule ist ein Ort öffentlichen Lebens und muss als solcher so demokratisch, wie es der Lehrauftrag ermöglicht, gestaltet werden.

Schule ist vor allem eine Institution, die die Grundlagen von Werten und Wissen vermittelt. Dabei müssen die Inhalte mit Weitsicht und ausreichender Distanz gewählt werden und können insoweit nur sehr eingeschränkt dem demokratischen Prinzip entsprechen. Zugleich ist eine Ausbildung zum mündigen Bürger aber keineswegs auf Befehl möglich.
Freiheit und die Gestaltung derselben im Rahmen einer weitgehend selbständigen und autonomen Schule sind unabdingbarer Teil dieser Ausbildung.

2. Nur ein Begegnen auf Augenhöhe zwischen Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft ermöglichen langfristige Perspektiven für eine Schule als Ort des Lernens und Lebens

Ein gewisses Maß an Autorität ist für Lehrer zur Gestaltung der Wissens- und Wertevermittlung notwendig. Zugleich muss aber stets bedacht werden, dass Schule eine Zwangsveranstaltung und eine Freiheitseinschränkung ist, so sinnvoll diese auch sei.
Innerhalb einer solcher dürfen Schüler keine Bittsteller sein, sondern müssen als Inhaber eines Rechts auf Bildung gelten.

3. Eine starke und rechtlich abgesicherte Schülervertretung ist die Grundlage einer demokratischen Schülerschaft. Sie muss alle Schüler vertreten und sich auf die Kernaufgabe der Gestaltung des schulischen Lebens konzentrieren.

Sie darf dabei nicht als Arbeitsgemeinschaft einiger weniger gelten, sondern muss allen offen und transparent sein. Wahlen müssen entsprechend so weit es geht direkt ausgeführt werden, damit eine Verbindung zwischen dem einzelnen Schüler und den Delegierten der nächsten Ebene besteht. Eine Schülervertretung spricht für alle Schülerinnen und Schüler jeglicher politischen Orientierung in Sachen der Schule, was ein Engagement in allgemeinpolitischer Absicht ausschließt. 

Perspektiven


1. Die Schule ist auch eine Vorbereitung auf das berufliche Leben. Sie versagt in dem Moment, in dem sie Schüler ohne Abschluss und Perspektive entlässt.

Dabei gilt es stets zu beachten, dass das berufliche Leben nicht alleiniger Lebensinhalt sein kann. Die Schule muss zwar nicht einen vollständigen Menschen ausbilden aber dazu befähigen, sich auch außerhalb des Berufslebens selbst entfalten.
Schüler kommen stets mit unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen in die Schule, die derzeit zu häufig auch den späteren Werdegang bestimmen. Diese auszugleichen ist eine primäre Aufgabe der Schule. Zugleich kann sie aber nicht das Versagen anderer sozialer Institutionen ausgleichen, muss einen gewissen Grad an Effizienz bewahren und kann so keine Abschlussgarantie gewährleisten.

2. Es muss der Gesellschaft ein Anliegen sein, den Übergang zwischen Schule und Beruf möglichst fließend zu gestalten, um Brüche in der Biographie zu vermeiden.

Schule muss rechtzeitig Interessen herausbilden und fördern, damit ihre Absolventen sich eine individuelle Perspektive bilden. Damit sie nach ihrem Abschluss nicht ratlos in die Wirtschaftswelt entlassen werden, muss die Schule frühzeitig mit Ausbildern und weiterführenden Bildungsinstitutionen zusammenarbeiten.

3. Im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland ist es zwar erwünscht, dass es eine Vielzahl von Wegen zu einer bestmöglichen Bildung gibt. Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse muss aber gegeben sein, damit die Chancengerechtigkeit gewährleistet bleibt.

Vor allem das Prinzip der Schulautonomie wird der Vielfalt und damit einem gedeihlichen Wettbewerb um das beste Konzept weiter Vorschub leisten. Der Geburtsort darf dabei aber nicht über den späteren Werdegang entscheiden und bereits vorherrschende bundesweite soziale Ungleichgewichte durch eine unterschiedliche Potenz der einzelnen Länder verstärkt werden. In diesem Sinne müssen Bund und Länder verstärkt miteinander zusammenarbeiten und vor allem der Bund mehr Kompetenzen bekommen. 

 Bürgerrecht Bildung


1. Chancengleichheit ist die Bedingung für ein gerechtes Bildungssystem. Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Aussehen,Behinderung, Herkunft, Weltanschauungen und Religionsangehörigkeit lehnen die Liberalen Schüler ab. Die gleiche Behandlung aller Schülerinnen und Schüler muss unter allen Umständen gewährleistet werden.

Die Merkmale, mit denen wir auf die Welt kommen, sind vollkommen willkürlich und dürfen nicht darüber bestimmen, welche Chancen sich uns erschließen. Die Institution Schule prägt den Menschen in einem ganzen Lebensabschnitt und muss die Chance ergreifen, die ungerechten Ungleichheiten, die aus unserer Vielfalt erwachsen, zu mildern.​

2. Individualität ist Gleichmacherei immer überlegen. Nur wer die verschiedenen Potenziale der Schülerinnen und Schüler zu erfassen, fördern und fordern sucht, kann nachhaltig einen hohen Bildungsstandard sichern und damit die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft bewahren.

Nicht nur soziale Ungleichheiten, sondern auch Talente sind willkürlich in unserer Gesellschaft verteilt. Damit jeder seine Talente ausnutzen und seine Schwächen mildern kann, bedarf es aber einer individuellen Förderung, die keine Eigenschaften bevorzugt und die Aufgabe hat, jeden zu einem Dasein als mündigen und möglichst freien Bürger zu befähigen. Das beinhaltet ein Maximum an Wahlmöglichkeiten und Chancen sich so früh oder spät, wie es die Umstände ermöglichen, zu entfalten, was mithin ein maximale Durchlässigkeit nötig macht.

3. Strukturelle Veränderungen des Bildungssystems dürfen nicht auf Kosten der Schülerinnen und Schüler gehen. Das zentral festgelegte System muss einem gewissen politischen Konsens entspringen und nicht zum Experimentieren mit Ideologien dienen.

Punktuelle Änderungen und Verbesserungen sind im Zweifelsfalle immer auf der tiefst möglichen Ebene vorzunehmen. Besonders in Fragen der Schulstruktur müssen die Akteure vor Ort nach ihren Bedürfnissen und Erfahrungen befragt und Wahlfreiheit geboten werden. Jede das System fundamental verändernde zentrale Vorgabe muss in Pilotprojekten ausführlich untersucht werden.

4. Erstes inhaltliches Gebot der Schule ist die Vermittlung von Kompetenzen und nicht vorgeschriebenem Detailwissen. Deswegen hat die wissenschaftliche Methodik sowohl in der Lehre als auch in der Bewertung unbedingten Vorrang.

In der Schule können Menschen nicht mit dem nötigen Fachwissen für ihr künftiges Leben ausgestattet werden. Folglich steht die Vermittlung von Lernkompetenzen an erster Stelle. Zugleich misstrauen Liberale jeden Dogmen, auch denen vorgegebener Lerninhalte. Leistungen von Schülern sind demzufolge in erster Linie in Hinsicht auf ihre wissenschaftliche Methodik und nicht auf ihre Kohärenz mit den vorgeschriebenen Lerninhalten zu überprüfen. 

 Leben in Freiheit


1. Die Schule entwickelt sich zwar immer mehr zu einem Ort des Lebens und der persönlichen Entwicklung, sie muss jedoch stets genug Freiräume lassen, damit sich die Jugendlichen abseits von staatlichen Vorstellungen individuell entfalten können.

Um soziale Ungleichheiten auszugleichen, muss die Schule immer mehr Raum einnehmen. Damit sich aber kritische und freie Bürger aus ihr entwickeln, bedarf es Freiräume außerhalb staatlicher Reglementierung, die nicht durch Hausaufgaben oder andere unverhältnismäßige Eingriffe in die Freizeit gefährdet werden dürfen.

2. Als neuen Lebensraum muss die Politik das Internet anerkennen, seine Freiheit erhalten und vor seinen Gefahren warnen.

Dieser neue Lebensraum eröffnet den Jugendlichen vor allem neue Chancen und Freiheiten, die nicht durch staatliche Bevormundung oder die Überwachung Unschuldiger geschmälert werden darf. Bei allem Fortschrittsoptimismus birgt das Internet aber auch Gefahren, vor denen in der Schule im Sinne eines aktiven Verbraucherschutzes gewarnt werden soll.

3. Jugendliche sind in ihrer privaten Entfaltung zu fördern und nicht zu beschränken. Gesellschaftlicher Prüderie darf keine legitimen Beziehungen tabuisieren und sich in Feiern ausdrückende Lebensqualität als Werteverfall verunglimpft werden.

Die berechtigte Angst vor Pädophilie darf nicht dazu führen, dass einvernehmliche Beziehungen zwischen Jugendlichen kriminalisiert werden. Hier unterbindet staatliche Vorsorge eine natürliche Entwicklung, stellt Heranwachsende vor unlösbare Loyalitätsfragen und hemmt sie im täglichen Umgang mit Ihresgleichen.
Wenn Jugendliche feiern, dann ist das kein Zeichen von Werteverfall, sondern ein normaler Prozess der Sozialisierung und Teil der deutschen Kultur. Die Eskalationsgefahr kann nicht durch strikte Umerziehung und Verbote unterbunden werden. Die einzige Lösung besteht in einer lebensnahen Prävention, die nicht verteufelt, sondern zur Mäßigung ermutigt.
Jugendkultur muss auch abseits einer öffentlichen Wertediskussion Raum geboten werden. Dazu gehört es auch über Sperrzeiten und Lärmschutz nachzudenken, im Sinne des Leitsatzes: Das Leben hat das Primat über die Ordnung.

4. Jugendliche sind in ihren Einkommensmöglichkeiten stark beschränkt und in weiten Teilen durch ihr Elternhaus determiniert. Deswegen ist es Aufgabe von Staat und Gesellschaft, ihnen im Sinne der Chancengerechtigkeit Zugang zu Kultur und Sport zu ermöglichen.

Sport und Kultur kommen durch die Ausweitung der Ganztagsschule immer stärker in Bedrängnis. Wer aber Schule als einen Ort des Lebens begreifen will, muss auch dafür sorgen, dass sie mit Leben gefüllt und die Zusammenarbeit mit Vereinen und Kulturträgern gestärkt wird.
Auch ist der Zugang zu solchen Entfaltungsmöglichkeiten vielen versperrt oder mit großen Hürden versehen. Diese für alle Kinder gleichermaßen unabhängig vom Wohlstand der Eltern zu beseitigen, ist eine große Chance und Herausforderung für Schule und Gesellschaft. 

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