Fridays For Future

Seit Wochen schwänzen Schülerinnen und Schüler an Freitagen die Schule, um nicht nur in NRW für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren: Die Rede ist von der „Fridays for future“-Bewegung, initiiert von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die bereits vor einem halben Jahr angefangen hat, jeden Freitag die Schule zu boykottieren und stattdessen für die Umwelt zu protestieren. Hört sich paradox an? Ist es auch. Abgesehen davon, dass die Institution Schule in keiner Verbindung zu der Umweltpolitik einer jeden Regierung steht, verspielt die Schwedin sich und tausenden Schülerinnen und Schülern Woche für Woche die Chance auf eins: Bildung.

Der Trend ist spätestens Anfang 2019 nun auch nach Deutschland übergeschwappt und seitdem nutzen auch hier bei uns Woche für Woche viele junge Menschen das Schlupfloch, die Schule für eine scheinbar gute Sache sausen zu lassen. Umweltpolitik ist natürlich wichtig und gerade unsere Generation sollte für diese ihr Recht wahrnehmen aktiv für Klimaschutz einzustehen. Es ist an sich sogar positiv zu bewerten, dass so etwas wie politische Partizipation in vielen Köpfen der Jugendliche stattfindet- aber „Fridays for future“ ist der falsche Weg!

Die Bewegung ist für viele Schüler*innen nämlich nichts mehr als eine Aufforderung zum Regel- und Gesetzesbruch, legitimiert durch verharmlosende Umschreibungen von einem „ausgelagerten Lebensunterricht“ wie von der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping. Doch das Weltklima kümmert es nicht, ob Schüler*innen am Freitagmorgen auf die Straße gehen und für eine bessere Umweltpolitik demonstrieren, oder ob sie es an einem Samstagvormittag machen.

Würden die Schulschwänzer ohnehin außerhalb der Unterrichtszeiten demonstrieren, würden sie wirklich ein Zeichen setzten- denn wäre ihnen wirklich am Klimaschutz gelegen, würden sie sicher auch ihre Freizeit opfern, um dafür einzustehen. Aber genau das ist das Problem der Veranstalter: Die Mitgliederzahl würde sich drastisch ändern, da die Teilnehmer tatsächlich ihre Freizeit opfern müssten und nicht einfach in der Schule fehlen könnten, wo sie sonst ohnehin hingegangen wären.

In diesem Zuge war doch der „Zeugnistag“, an dem die Schule bereits nach der dritten Schulstunde endete und die Demonstrationen erst nach der Schule stattfanden, einmal mehr Beweis dafür, dass die „FFF Bewegung“ nichts mehr als ein Vorwand zum Schule schwänzen ist: Landesweit versammelten sich nicht mal ein Bruchteil der üblichen Teilnehmer. So kamen beispielsweise in Aachen statt den üblichen über 150 Demonstranten lediglich 30 zusammen- dem Rest war die Freizeit wohl doch wichtiger als der sonst so geforderte Klimaschutz. Heuchlerisch ist das Vorgehen vieler Demonstranten, die Freitag für Freitag ihre Schulpflicht vernachlässigen, übrigens nicht nur an dieser Stelle. Videos und Fotos werden für Instagram und Snapchat geschossen und von importieren Handys aus China für die eigene Selbstdarstellung hochgeladen, sich nach der Demo noch ein Kaffee im Einwegbecher gekauft, bevor man dann guten Gewissens wieder nach Hause gehen kann, da man sich doch aktiv für eine Veränderung und eine bessere Umwelt eingesetzt hat. Spätestens im Gespräch mit den vermeintlichen Umweltschützern zeigt sich dann, dass wenig hinter den Parolen auf ihren Bannern steckt. Fragt man einmal, wofür eigentlich demonstriert wird, hört man von vielen Teilnehmern lediglich, man demonstriere gegen RWE, gegen die Regierung oder gegen Umweltverschmutzung. Konkrete Forderungen oder gar konstruktive Vorschläge bleiben die Schulschwänzer aber schuldig. Natürlich sind das Demonstrationsrecht und das Recht auf Meinungsfreiheit elementarer Teil des Fundaments, auf das unsere demokratische Grundordnung aufgebaut ist. Dabei bleibt es erst einmal egal, für was demonstriert wird. Jede Bürgerin und jeder Bürger hat das Recht, für seine Meinung auf die Straße zu gehen.   

Allerdings herrscht in Deutschland die Schulpflicht. Ob man diese jetzt befürwortet oder nicht: sie gilt. Obendrein besteht für Schülerinnen und Schüler weder ein Streikrecht, noch die Möglichkeit sich für eine Demonstration beurlauben zu lassen. Die Tatsache, dass die FFF-Aktivisten diese Regelungen bewusst ignorieren, lässt sich auch nicht durch den positiven Zuspruch aus Teilen der Gesellschaft relativieren. Würden nämlich plötzlich Scharen von Schulpflichtigen im Pegidastyle Freitag für Freitag auf den Straßen gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung demonstrieren, dann wäre die öffentliche Debatte eine andere und jeder Politiker, gerade von den aktuell den „politischen Einsatz“ der Schüler lobenden Grünen, sowie jeder Journalist würde sich auf die Schulpflicht berufen beziehungsweise gegen diese Schülerdemos sprechen. Das zeigt jedoch: Die Schulpflicht herrscht an dieser Stelle nicht ohne Grund und muss unabhängig von der politischen Einstellung wahrgenommen und eingefordert werden.

Paradoxerweise verbauen sich die Streikenden mit Ihren Demonstrationen das, wofür sie doch eigentlich eintreten wollen: Ihre Zukunft. Natürlich ist das Klima auch ein Teil der Zukunft, wobei es diesem egal ist, wann man sich für Klimaschutz einsetzt. Der andere, mindestens gleichwichtige Teil aber ist die Bildung der jungen Menschen- und diese gibt es eben nur ab morgens acht Uhr in der Schule und nicht bei den Demonstrationen.

Daher sollte im Sinne der Schulpflicht gehandelt und die Fehlstunden nicht entschuldigt werden- Politische Teilhabe ist wichtig und richtig, allerdings können medienwirksame Demonstrationen auch ohne Schulschwänzerei an Wochenenden stattfinden. In diesem Zuge sind auch die Bekräftigungen unserer Bildungsministerin Yvonne Gebauer, die Schulpflicht mit allen Mitteln durchzusetzen genau richtig.

Grundsätzlich ist konstruktives Engagement junger Menschen für den Klimaschutz gar nicht schlecht. Viel sinnvoller wäre es daher, die „Fridays for Future“-Demonstrationen an Wochenenden zu veranstalten und so einen größeren Zukunftsbeitrag zu leisten. Die mediale Aufmerksamkeit würde sicher nicht abnehmen und das Aufbringen der eigenen Freizeit einmal mehr zeigen, dass man wirklich dahintersteht. Klimaschutz? Klar! Doch dafür die Schule zu schwänzen ist einfach falsch!

- Nils Mehrer (Landesvorsitzender)